Einordnung
Wann eine Testosterontherapie in Frage kommt
Diese Seite erklärt, unter welchen Voraussetzungen eine Testosteronersatztherapie medizinisch angezeigt ist, welche Risiken sie hat und welche Kontrollen dazugehören. Sie erklärt außerdem, warum die Behandlung selbst nicht in dieser Praxis stattfindet.
Was diese Praxis leistet und was nicht
Der Schwerpunkt liegt auf der Abklärung: Anamnese, körperliche Untersuchung, Labordiagnostik, Einordnung der Werte und die Behandlung der Faktoren, die den Testosteronspiegel dämpfen. Eine Testosteronersatztherapie wird hier nicht begonnen. Ergibt die Abklärung einen behandlungsbedürftigen Hypogonadismus, überweise ich mit vollständigem Befund an einen Urologen oder Endokrinologen.
Der Grund dafür ist, dass ich keine Facharztbezeichnung führe. Wer eine Dauertherapie mit einem verschreibungspflichtigen Hormon führt, schuldet den fachärztlichen Standard, und deshalb ziehe ich diese Grenze von vornherein.
Die drei Voraussetzungen
Nach den Leitlinien setzt eine Testosterontherapie drei Dinge gleichzeitig voraus. Erstens Beschwerden, die zu einem Testosteronmangel passen, insbesondere sexuelle Beschwerden. Zweitens ein wiederholt bestätigtes niedriges Gesamttestosteron oder ein niedriges freies Testosteron bei grenzwertigem Gesamtwert, gemessen unter korrekten Bedingungen. Und drittens den Ausschluss von Gegenanzeigen sowie die Klärung der Ursache.
Außerdem muss vorher geprüft sein, ob der Mangel durch Behandlung einer Ursache behoben werden kann. Bei funktionellem Hypogonadismus durch Übergewicht oder eine Schlafapnoe ist die Behandlung der Ursache der erste Schritt, nicht das Hormon. Genau das ist der Teil, der in dieser Praxis stattfindet: Was sich ohne Medikament beeinflussen lässt.
Wann keine Therapie in Frage kommt
Unabhängig davon, wer sie führen würde, ist eine Testosterontherapie nicht angezeigt bei
- Prostatakrebs oder Verdacht darauf, ebenso bei Brustkrebs
- deutlich erhöhtem PSA oder auffälligem Tastbefund, bevor das abgeklärt ist
- einem Hämatokrit über 54 Prozent
- unbehandelter schwerer Schlafapnoe
- schweren Beschwerden beim Wasserlassen durch eine vergrößerte Prostata
- schwerer, nicht eingestellter Herzschwäche
- einem Herzinfarkt oder Schlaganfall in den letzten sechs Monaten
- aktuellem Kinderwunsch
- normalen oder nur einmalig niedrigen Testosteronwerten
- fehlenden Beschwerden
Und sie ist nicht angezeigt, um Muskelaufbau zu beschleunigen, Trainingsziele zu erreichen oder das Altern zu bremsen. Dafür gibt es keine medizinische Indikation, und die Risiken bestünden ohne Nutzen. Testosteron zur Leistungssteigerung im Sport wird hier weder verordnet noch empfohlen.
Was Sie über die Risiken wissen sollten
Auch wenn die Behandlung anderswo stattfindet, sollten Sie wissen, worauf Sie sich einlassen. Das gehört zur Aufklärung, und es ist Teil dessen, was Sie hier bekommen.
Fertilität und Kinderwunsch
Von außen zugeführtes Testosteron signalisiert der Hirnanhangsdrüse, dass genug vorhanden ist. Sie stellt die Ausschüttung von LH und FSH ein, und damit stoppt auch die Spermienproduktion. Bei den meisten Männern sinkt die Spermienzahl stark, bei vielen auf null. Nach dem Absetzen erholt sie sich in der Regel, das kann aber Monate bis über ein Jahr dauern, und in Einzelfällen bleibt sie eingeschränkt. Bei aktuellem oder absehbarem Kinderwunsch ist eine Therapie deshalb in der Regel nicht angezeigt.
Hämatokrit
Testosteron regt die Bildung roter Blutkörperchen an. Steigt deren Anteil im Blut zu stark, wird das Blut dickflüssiger, und das Risiko für Thrombosen nimmt zu. Das ist die häufigste relevante Nebenwirkung und der Grund, warum unter Therapie regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden muss.
Prostata
Testosteron verursacht nach heutigem Kenntnisstand keinen Prostatakrebs, kann aber das Wachstum eines bereits vorhandenen, unentdeckten Tumors fördern. Vor Therapiebeginn gehören deshalb PSA-Bestimmung und Untersuchung der Prostata dazu, unter Therapie regelmäßige Kontrollen.
Herz und Kreislauf
Eine große randomisierte Studie mit über 5.000 Männern mit Hypogonadismus und erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko zeigte 2023, dass unter Therapie nicht mehr schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse auftraten als unter Placebo. In derselben Studie traten allerdings häufiger Vorhofflimmern, Lungenembolien und akute Nierenschädigungen auf. Die Ergebnisse gelten für Männer mit nachgewiesenem Mangel und korrekter Dosierung.
Weitere Nebenwirkungen
Akne und fettige Haut, Wassereinlagerungen, Verschlechterung einer Schlafapnoe, Vergrößerung der Brustdrüse, Stimmungsschwankungen, Verkleinerung der Hoden, Reaktionen an der Anwendungsstelle, bei Gelen die Übertragung auf andere Personen durch Hautkontakt.
Was die Therapie nicht leistet
Sie macht aus einem untrainierten keinen trainierten Körper, sie ersetzt keinen Schlaf und sie behebt keine Depression. Bei Männern mit bestätigtem Mangel bessert sie in Studien vor allem Libido und sexuelle Funktion, in geringerem Maß Muskelmasse, Knochendichte, Blutarmut und Stimmung. Bei Männern ohne Mangel ist kein Nutzen belegt.
Welche Kontrollen dazugehören
Wer Testosteron erhält, braucht feste Kontrollen. Diese Übersicht dient Ihrer Orientierung, damit Sie einschätzen können, ob Ihre Behandlung ausreichend überwacht wird.
| Zeitpunkt | Was kontrolliert wird |
|---|---|
| Vor Beginn | Testosteron bestätigt, Blutbild mit Hämatokrit, PSA, Leberwerte, Blutfette, Blutdruck, körperliche Untersuchung |
| Nach 3 Monaten | Befinden, Nebenwirkungen, Testosteron, Hämatokrit, PSA, gegebenenfalls Dosisanpassung |
| Nach 6 Monaten | Befinden, Testosteron, Hämatokrit, PSA |
| Nach 12 Monaten | zusätzlich Blutfette, Blutzucker, körperliche Untersuchung |
| Danach | jährlich, bei Auffälligkeiten häufiger |
Nach drei bis sechs Monaten sollte außerdem geprüft werden, ob die Therapie das leistet, was erwartet wurde. Bessern sich die Beschwerden trotz guter Werte nicht, gehört sie beendet. Ein normaler Laborwert allein ist kein Grund, ein Medikament weiterzunehmen, das nicht hilft.